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Horkheimer/Adorno – Instrumentelle Vernunft und Liebe

Aufklärung - Philosphie / Horkheimer - Adorno

Aufklärung - Philosphie

Horkheimer -Adorno

Liebe als Geste einer Tauschlogik, als Gefühl einer Kulturindustrie.

Horkheimer und Adorno in New York

Exil in New York
Horkheimer und Adorno kamen nicht als Gäste. Sie kamen als Vertriebene, 1934, 1938, als Europa sich verdunkelte und Bücher brannten. New York nahm sie auf; eher gleichgültig. Der Big Apple interesierte nicht wirklich für Philosophen. Schon gar nicht für jene, welche die Aufklärung und die damit verbundene instrumentelle Vernunft kritisierten. Jene Vernunft in deren Mittelpunkt Nützlichkeit stand und zu deren Gebrauch Herrschaft notwendig ist.

Theodor W. Adorno (1903–1969)
Philosophie, Psychologie, Soziologie und Musikwissenschaft

Max Horkheimer (1895–1973)
Philosophie, Psychologie und Sozialwissenschaft

Beide Arbeit in Frankfurt am Institut für Sozialforschung mit dem Ziel die Verhältnisse des Menschen in seiner ökonomischen Abhängigkeit zu verstehen. Was bindet den Mensch an bestehende Ordnungen.Wie ist sein Bewusstsein beschaffen, sich den instrumentellen Dinglichkeiten, ohne weitere Hinterfragung, zu unterwerfen? Analyse von Herrschaftsverhältnissen, nicht nur ökonomisch, sondern auch psychologisch, kulturell, familiär. Erforschung der Autoritätshörigkeit, warum verfallen Menschen faschistischen Ideologien?

Flucht nach New York – Beide Arbeit am Institut für Sozialforschung an der Columbia University, New York. Später Umzug nach Los Angeles. Hier entsteht das gemeinsame Manuskript „Dialektik der Aufklärung“. Ihre Erfahrungen in New York und USA sind zugleich auch Anschauungsmaterial für die Theorie ihrer Kritik an jemem, was nach der Auflärung im Bewusstsein des Menschen sich entwickelt hat.
Aufklärung: Die geistige Bewegung im 17./18. Jahrhundert, die Vernunft, Selbstdenken, Wissenschaft, Fortschritt und individuelle Freiheit gegen Aberglaube, Autoritätshörigkeit und Dogmatismus (oft der Kirche) stellte.
Motto: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ (Immanuel Kant). Für Horkheimer und Adorno, aber, verkehrt sich die „Befreiung des Menschen“ in ihr Gegenteil. Aus der Vernunft sich des eigenen Verstandes zu bedienen, wurde vorallem aus ökonomischer Abhängigkeit eine sog. instrumentelle Vernunft. Jene Vernunft, welche alles zu berechnen glaubte, alles nützlich zu machen; Dinglichkeiten den reinen Nutzen zu unterwerfen.
Als Metapher betrachtet: Die Welt, durch Verständnis, bis in alle Zusammenhänge, beherrschen zu können. Wissenschaft als neuer Gott, als Herrscher über alle Zustände und Zusammenhänge.
Folge: Nicht Gewinn, sondern Verlust an Freiheit. Die Kernfrage: Weswegen versinkt der Mensch in derartige Abhängigkeiten? Was hält den Menschen in Unterwerfung?
Antwort: Die auf Herrschaft und Nützlichkeit reduzierte Vernunft unterdrückt den Menschen selbst. Gefühle verschwinden hinter dieser Nützlichkeit. Liebe wird zu einer Form der Tauschlogik. Kulturindustrie präformatieren Gefühle. Menschliches Begehren ist schematisiert; wie soll authentische Liebe und Gefühle entstehen, wenn menschliches Begehren formatierten Schemata folgt? Wenn Zärtlichkeit zur zur erlernten Verhaltensweise geronnen ist.
Sehr kurz: Freiheit durch Aufkärung = Befreiung durch Vernunft – Diese Vernunft ist selbst zum Unterdrückungsinstrument geworden.

 

Welche Bedeutung hat dies für Heiraten in New York.

Mein kleiner Blog soll eine Art von Appendix zum Thema Heiraten New York sein und all jenen, die vielleicht eine Anfrage zur Hochzeit in New York stellen, ein wenig Lesestoff über das Thema Liebe & Philosophie zu vermitteln.

Eigentlich können Horkheimer und Adorno Liebe nicht ... deswegen:

Die Dialektik der Aufklärung und die Unmöglichkeit der Liebe
In der „Dialektik der Aufklärung“ (1947) kommt das Wort „Liebe“ kaum vor. Das ist kein Zufall, sondern Programm. Die Analyse zeigt: Die instrumentelle Vernunft, die alles unter das Diktat von Nützlichkeit, Berechenbarkeit und Herrschaft zwingt, hat keinen Ort für Liebe. Liebe wird entweder zerstört, in ihr Gegenteil verkehrt oder als sentimentale Illusion der Kulturindustrie einverleibt. Die Aufklärung reduziert Liebe auf ihre soziale Funktion. Sie wird zweckrational: Gut ist, was dem System dient. Das Subjekt soll nicht lieben, es soll funktionieren. Die Dialektik: Indem die Aufklärung Liebe von Aberglaube, Schwärmerei und Abhängigkeit reinigen will, amputiert sie ihr Herz. Was bleibt, ist kalte Pflichterfüllung oder nützliche Affektsteuerung.
Die Kulturindustrie produziert Liebe als Ware. Der Schlager, der Hollywoodfilm, die Romanze, alles folgt der immer gleichen Formel. Happy End garantiert oder Drama welches sich im Leid wiederfindet, dort verbleibt und eine künstliche Sehnsucht hinerlässt. Eine Sehnsucht der Nichterfüllbarkeit, eine stilisitische Metapher vom stilisierten Leben. Liebe wird zur Chiffre ihrer selbst, zum austauschbaren Versprechen, das nichts mehr halten muss und sich selbst im Scheitern neue Horizonte verpricht. Standardisiert, berechenbar, konsumierbar und psychologisch Unterfüttert.

Versuchen wir es denn noch ...

Eigentlich können sie nicht. Aber sie können auch nicht anders.
Sie können nicht lieben wie diejenigen, die nicht durchschauen. Aber gerade weil sie durchschauen, weil sie wissen, wie bedroht, wie fragil, wie verfälscht die Liebe ist, gerade deshalb wird sie ihnen unentbehrlich. Nicht als Rettung. Nicht als Trost. Sondern als das Letzte, was noch erinnert daran, dass Menschen keine Funktionen sein müssten.

Aber sie ist da. Störrisch. Unversöhnt. Als Einspruch gegen eine Welt, die nur noch Funktion kennt.
Das ist vielleicht das Einzige, was sie können: Lieben im Wissen um die Unmöglichkeit. Und gerade darin, in dieser Kompromisslosigkeit, die sich selbst nicht schont, liegt etwas, das die Chiffre überschreitet.
Nicht die Liebe, die alles heilt. Sondern die Liebe, die aushält. Die bleibt. Die nicht wegsieht, nicht beschönigt, nicht versöhnt.
Die einfach da ist. Gegen alle Vernunft. Gegen alle Analyse.
Eigentlich können sie nicht. und trotzdem selbst wenn ihr Gott ihnen keine Hilfe ist, sie in Wirklichkeit keinen haben. Und vielleicht erscheint ihnen die Liebe mehr als eine Chiffre, dann, wenn sie warten; warten auf den Moment. Auf diesen Augenblick, der Höher ist als alle Vernunft. Höher, zugleich unausprechlich, als jenes was sich der Mensch „ausdenken“ kann. Dem Verstand sich entzieht. Die Liebe die niemals fragt: Wozu? Die einfach da ist. Wie die Sonne, die untergeht, wie das Meer, welches kommt und geht und unser Atem, der alles von sich aus tut.

Und vielleicht, wenn auch nur vielleicht, ist dies der Ort, an welchem wir Gott und Christus finden können. Nicht als Flucht, nicht als Begriff, nicht als Trost, sondern als Erfahrung, dass es mehr gibt als menschliche Vernunft. Und falls wir suchen und vielleicht niemand da ist, den wir erwarten, dann kann diese Abwesenheit etwas sein, die zu uns spricht und uns mitteilt: Nichts ist mehr als warten. Es ist Da-Sein, einfach so, ohne Grund.

Die Welt ist rational, ist instrumentalisiert, aber die Liebe, die immer höher ist, als alle Vernunft: Die wartet. Unbegreiflich, unverfügbar und als Geschenk. Und nicht zuletzt auch in New York. Einer Stadt, in welcher Heiraten ein besonders Geschenk ist, auch in Bezug auf Liebe.

Was mich betrifft , so bezweifle ich, dass der Mensch jemals eine völlige religiösee Unabhängigkeit und eine vollkommene politsche Freiheit ertragen kann, und ich bin geneigt zu denken, dass er, ist er frei, gläubig sein muss.

                                               Alexis de Tocqueville

Werke von Horkheimer und Adorno

Dialektik der Aufklärung

Horkheimer und Adorno schrieben das Buch 1944 im amerikanischen Exil. Die zentrale These klingt paradox:
Die Aufklärung schlägt in ihr Gegenteil um.

Die Aufklärung versprach Befreiung: durch Vernunft, Wissenschaft, Fortschritt. Der Mensch sollte mündig werden, sich von Mythos und Aberglauben befreien. „Sapere aude!“
Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.

Aber Horkheimer und Adorno beobachten: Genau diese Aufklärung führt zu neuer Unfreiheit. Warum?

Die instrumentelle Vernunft
Die Vernunft wird reduziert auf ein Instrument zur Naturbeherrschung. Sie fragt nur noch: „Wie funktioniert das? Wie kann ich es kontrollieren?“ Nicht mehr: „Was ist gut? Was ist wahr? Was macht Sinn?“

Die Natur wird berechenbar gemacht, beherrscht, ausgebeutet. Aber dasselbe passiert mit den Menschen selbst. Sie werden zu Objekten, zu Material, zu verwertbaren Ressourcen. Die Vernunft, die befreien sollte, wird zum Herrschaftsinstrument.

Schon die griechischen Mythen enthielten Rationalität (List des Odysseus). Die Aufklärung wollte den Mythos überwinden, aber sie wird selbst mythisch: blind, zwanghaft, total. Der Faschismus ist nicht das Gegenteil der Aufklärung, sondern ihre konsequente Fortsetzung: totale Kontrolle, totale Verwaltung, industrielle Vernichtung.

Ein zentrales Kapitel behandelt die Massenkultur: Hollywood, Radio, Werbung. Sie verkaufen Freiheit und Individualität, produzieren aber nur standardisierteWare. Jeder Film folgt demselben Schema, jeder Schlager derselben Formel. Die Menschen glauben, sie wählen frei – aber sie wählen nur zwischen vorgegebenen Optionen. Die Kulturindustrie ist Herrschaft, die sich als Unterhaltung tarnt.

Das Fazit?
Es gibt keinen einfachen Ausweg. Horkheimer und Adorno sind radikal pessimistisch – aber sie schreiben trotzdem. Das Buch selbst ist der Versuch, durch Kritik ein Bewusstsein zu schaffen, das der totalen Verdinglichung widersteht.

Die Vernunft, die uns befreien sollte, hat uns versklavt:
Nur noch fragt: „Wie?“
Aber nicht mehr: „Wozu?“ und „Warum?“.

Die Aufklärung muss sich selbst aufklären über ihre eigenen blinden Flecken.

Max Horkheimer: Zur Kritik der instrumentellen Vernunft

Horkheimer schrieb dieses Buch 1947 (englisch: „Eclipse of Reason“). Es ist gewissermaßen die Einzelarbeit zu dem, was er mit Adorno gemeinsam in der *Dialektik der Aufklärung* entwickelt hatte.

Es gibt zwei Arten von Vernunft:
Objektive Vernunft (die klassische):
Sie fragt nach dem Guten, dem Wahren, dem Sinnvollen. Sie will verstehen, was das richtige Leben ist, welche Zwecke erstrebenswert sind. Sie urteilt über Ziele selbst.
Subjektive/instrumentelle Vernunft (die moderne):
Sie fragt nur noch: „Wie erreiche ich mein Ziel am effizientesten?“ Sie ist reines Werkzeug, reine Technik. Sie urteilt nicht mehr über Zwecke, sondern optimiert nur noch Mittel.
Was ist das Problem?
Die instrumentelle Vernunft hat gesiegt. Wir fragen nicht mehr: „Ist dieses Ziel überhaupt gut?“ Wir fragen nur: „Wie erreichen wir es möglichst schnell und billig?“
Beispiele:
– Nicht: „Sollen wir endlos wachsen?“ Sondern: „Wie steigern wir die Produktivität?“
– Nicht: „Was ist ein gutes Leben?“ Sondern: „Wie optimiere ich meine Performance?“
– Nicht: „Ist diese Technologie sinnvoll?“ Sondern: „Funktioniert sie?“

Die Folgen:
Alles wird Mittel zum Zweck – auch der Mensch selbst. Selbst die Vernunft wird instrumentalisiert: Sie dient nur noch der Selbsterhaltung, der Effizienz, dem Profit. Werte, Würde, Sinn – all das verschwindet, weil es sich nicht berechnen lässt.
Die Natur wird zur Ressource. Der Mensch wird zur Arbeitskraft. Beziehungen werden zu Netzwerken. Alles wird funktionalisiert.
Tragisches Paradox:
Die Vernunft sollte uns frei machen. Aber indem sie nur noch Instrument wurde, hat sie uns versklavt – an Systeme, die wir nicht mehr hinterfragen, nur noch perfektionieren.

Horkheimers Warnung:
Wenn wir nicht wieder lernen, über Zwecke nachzudenken (nicht nur über Mittel), wenn wir nicht die Frage nach dem „Wozu?“ zurückgewinnen, dann bleibt die Vernunft blind – ein hocheffizientes Werkzeug ohne Orientierung.
Die Vernunft ist von der Frage: „Was ist gut?“
Zur Frage: „Was funktioniert?“ verkommen.
Wir optimieren alles, aber wissen nicht mehr, wofür.

Dialektik der Aufkklärung - Frankfurter Schule - You Tube

Ein gutes Leben. Fern ab von dauerhafter Selbstaufwertung.

Im Web - SozTheo

„Dialektik der Aufklärung“ von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno zählt zu den Schlüsselwerken der Kritischen Theorie und stellt einen Meilenstein der soziologischen Gesellschaftsanalyse im 20. Jahrhundert dar.

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