Horkheimer/Adorno – Instrumentelle Vernunft und Liebe

Horkheimer -Adorno

Liebe als Geste einer Tauschlogik, als Gefühl einer Kulturindustrie.

Horkheimer und Adorno in New York

Exil in New York
Horkheimer und Adorno kamen nicht als Gäste. Sie kamen als Vertriebene, 1934, 1938, als Europa sich verdunkelte und Bücher brannten. New York nahm sie auf; eher gleichgültig. Der Big Apple interesierte nicht wirklich für Philosophen. Schon gar nicht für jene, welche die Aufklärung und die damit verbundene instrumentelle Vernunft kritisierten. Jene Vernunft in deren Mittelpunkt Nützlichkeit stand und zu deren Gebrauch Herrschaft notwendig ist.

Theodor W. Adorno (1903–1969)
Philosophie, Psychologie, Soziologie und Musikwissenschaft

Max Horkheimer (1895–1973)
Philosophie, Psychologie und Sozialwissenschaft

Beide Arbeit in Frankfurt am Institut für Sozialforschung mit dem Ziel die Verhältnisse des Menschen in seiner ökonomischen Abhängigkeit zu verstehen. Was bindet den Mensch an bestehende Ordnungen.Wie ist sein Bewusstsein beschaffen, sich den instrumentellen Dinglichkeiten, ohne weitere Hinterfragung, zu unterwerfen? Analyse von Herrschaftsverhältnissen, nicht nur ökonomisch, sondern auch psychologisch, kulturell, familiär. Erforschung der Autoritätshörigkeit, warum verfallen Menschen faschistischen Ideologien?

Flucht nach New York – Beide Arbeit am Institut für Sozialforschung an der Columbia University, New York. Später Umzug nach Los Angeles. Hier entsteht das gemeinsame Manuskript „Dialektik der Aufklärung“. Ihre Erfahrungen in New York und USA sind zugleich auch Anschauungsmaterial für die Theorie ihrer Kritik an jemem, was nach der Auflärung im Bewusstsein des Menschen sich entwickelt hat.
Aufklärung: Die geistige Bewegung im 17./18. Jahrhundert, die Vernunft, Selbstdenken, Wissenschaft, Fortschritt und individuelle Freiheit gegen Aberglaube, Autoritätshörigkeit und Dogmatismus (oft der Kirche) stellte.
Motto: „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ (Immanuel Kant). Für Horkheimer und Adorno, aber, verkehrt sich die „Befreiung des Menschen“ in ihr Gegenteil. Aus der Vernunft sich des eigenen Verstandes zu bedienen, wurde vorallem aus ökonomischer Abhängigkeit eine sog. instrumentelle Vernunft. Jene Vernunft, welche alles zu berechnen glaubte, alles nützlich zu machen; Dinglichkeiten den reinen Nutzen zu unterwerfen.
Als Metapher betrachtet: Die Welt, durch Verständnis, bis in alle Zusammenhänge, beherrschen zu können. Wissenschaft als neuer Gott, als Herrscher über alle Zustände und Zusammenhänge.
Folge: Nicht Gewinn, sondern Verlust an Freiheit. Die Kernfrage: Weswegen versinkt der Mensch in derartige Abhängigkeiten? Was hält den Menschen in Unterwerfung?
Antwort: Die auf Herrschaft und Nützlichkeit reduzierte Vernunft unterdrückt den Menschen selbst. Gefühle verschwinden hinter dieser Nützlichkeit. Liebe wird zu einer Form der Tauschlogik. Kulturindustrie präformatieren Gefühle. Menschliches Begehren ist schematisiert; wie soll authentische Liebe und Gefühle entstehen, wenn menschliches Begehren formatierten Schemata folgt? Wenn Zärtlichkeit zur zur erlernten Verhaltensweise geronnen ist.
Sehr kurz: Freiheit durch Aufkärung = Befreiung durch Vernunft – Diese Vernunft ist selbst zum Unterdrückungsinstrument geworden.

 

Welche Bedeutung hat dies für Heiraten in New York.

Mein kleiner Blog soll eine Art von Appendix zum Thema Heiraten New York sein und all jenen, die vielleicht eine Anfrage zur Hochzeit in New York stellen, ein wenig Lesestoff über das Thema Liebe & Philosophie zu vermitteln.

Eigentlich können Horkheimer und Adorno Liebe nicht ... deswegen:

Die Dialektik der Aufklärung und die Unmöglichkeit der Liebe
In der „Dialektik der Aufklärung“ (1947) kommt das Wort „Liebe“ kaum vor. Das ist kein Zufall, sondern Programm. Die Analyse zeigt: Die instrumentelle Vernunft, die alles unter das Diktat von Nützlichkeit, Berechenbarkeit und Herrschaft zwingt, hat keinen Ort für Liebe. Liebe wird entweder zerstört, in ihr Gegenteil verkehrt oder als sentimentale Illusion der Kulturindustrie einverleibt. Die Aufklärung reduziert Liebe auf ihre soziale Funktion. Sie wird zweckrational: Gut ist, was dem System dient. Das Subjekt soll nicht lieben, es soll funktionieren. Die Dialektik: Indem die Aufklärung Liebe von Aberglaube, Schwärmerei und Abhängigkeit reinigen will, amputiert sie ihr Herz. Was bleibt, ist kalte Pflichterfüllung oder nützliche Affektsteuerung.
Die Kulturindustrie produziert Liebe als Ware. Der Schlager, der Hollywoodfilm, die Romanze, alles folgt der immer gleichen Formel. Happy End garantiert oder Drama welches sich im Leid wiederfindet, dort verbleibt und eine künstliche Sehnsucht hinerlässt. Eine Sehnsucht der Nichterfüllbarkeit, eine stilisitische Metapher vom stilisierten Leben. Liebe wird zur Chiffre ihrer selbst, zum austauschbaren Versprechen, das nichts mehr halten muss und sich selbst im Scheitern neue Horizonte verpricht. Standardisiert, berechenbar, konsumierbar und psychologisch Unterfüttert.

Versuchen wir es denn noch ...

Eigentlich können sie nicht. Aber sie können auch nicht anders.
Sie können nicht lieben wie diejenigen, die nicht durchschauen. Aber gerade weil sie durchschauen, weil sie wissen, wie bedroht, wie fragil, wie verfälscht die Liebe ist, gerade deshalb wird sie ihnen unentbehrlich. Nicht als Rettung. Nicht als Trost. Sondern als das Letzte, was noch erinnert daran, dass Menschen keine Funktionen sein müssten.

Aber sie ist da. Störrisch. Unversöhnt. Als Einspruch gegen eine Welt, die nur noch Funktion kennt.
Das ist vielleicht das Einzige, was sie können: Lieben im Wissen um die Unmöglichkeit. Und gerade darin, in dieser Kompromisslosigkeit, die sich selbst nicht schont, liegt etwas, das die Chiffre überschreitet.
Nicht die Liebe, die alles heilt. Sondern die Liebe, die aushält. Die bleibt. Die nicht wegsieht, nicht beschönigt, nicht versöhnt.
Die einfach da ist. Gegen alle Vernunft. Gegen alle Analyse.
Eigentlich können sie nicht. und trotzdem selbst wenn ihr Gott ihnen keine Hilfe ist, sie in Wirklichkeit keinen haben. Und vielleicht erscheint ihnen die Liebe mehr als eine Chiffre, dann, wenn sie warten; warten auf den Moment. Auf diesen Augenblick, der Höher ist als alle Vernunft. Höher, zugleich unausprechlich, als jenes was sich der Mensch „ausdenken“ kann. Dem Verstand sich entzieht. Die Liebe die niemals fragt: Wozu? Die einfach da ist. Wie die Sonne, die untergeht, wie das Meer, welches kommt und geht und unser Atem, der alles von sich aus tut.

Und vielleicht, wenn auch nur vielleicht, ist dies der Ort, an welchem wir Gott und Christus finden können. Nicht als Flucht, nicht als Begriff, nicht als Trost, sondern als Erfahrung, dass es mehr gibt als menschliche Vernunft. Und falls wir suchen und vielleicht niemand da ist, den wir erwarten, dann kann diese Abwesenheit etwas sein, die zu uns spricht und uns mitteilt: Nichts ist mehr als warten. Es ist Da-Sein, einfach so, ohne Grund.

Die Welt ist rational, ist instrumentalisiert, aber die Liebe, die immer höher ist, als alle Vernunft: Die wartet. Unbegreiflich, unverfügbar und als Geschenk. Und nicht zuletzt auch in New York. Einer Stadt, in welcher Heiraten ein besonders Geschenk ist, auch in Bezug auf Liebe.

Was mich betrifft , so bezweifle ich, dass der Mensch jemals eine völlige religiösee Unabhängigkeit und eine vollkommene politsche Freiheit ertragen kann, und ich bin geneigt zu denken, dass er, ist er frei, gläubig sein muss.

                                               Alexis de Tocqueville

Werke von Horkheimer und Adorno

Dialektik der Aufklärung

Horkheimer und Adorno schrieben das Buch 1944 im amerikanischen Exil. Die zentrale These klingt paradox:
Die Aufklärung schlägt in ihr Gegenteil um.

Die Aufklärung versprach Befreiung: durch Vernunft, Wissenschaft, Fortschritt. Der Mensch sollte mündig werden, sich von Mythos und Aberglauben befreien. „Sapere aude!“
Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.

Aber Horkheimer und Adorno beobachten: Genau diese Aufklärung führt zu neuer Unfreiheit. Warum?

Die instrumentelle Vernunft
Die Vernunft wird reduziert auf ein Instrument zur Naturbeherrschung. Sie fragt nur noch: „Wie funktioniert das? Wie kann ich es kontrollieren?“ Nicht mehr: „Was ist gut? Was ist wahr? Was macht Sinn?“

Die Natur wird berechenbar gemacht, beherrscht, ausgebeutet. Aber dasselbe passiert mit den Menschen selbst. Sie werden zu Objekten, zu Material, zu verwertbaren Ressourcen. Die Vernunft, die befreien sollte, wird zum Herrschaftsinstrument.

Schon die griechischen Mythen enthielten Rationalität (List des Odysseus). Die Aufklärung wollte den Mythos überwinden, aber sie wird selbst mythisch: blind, zwanghaft, total. Der Faschismus ist nicht das Gegenteil der Aufklärung, sondern ihre konsequente Fortsetzung: totale Kontrolle, totale Verwaltung, industrielle Vernichtung.

Ein zentrales Kapitel behandelt die Massenkultur: Hollywood, Radio, Werbung. Sie verkaufen Freiheit und Individualität, produzieren aber nur standardisierteWare. Jeder Film folgt demselben Schema, jeder Schlager derselben Formel. Die Menschen glauben, sie wählen frei – aber sie wählen nur zwischen vorgegebenen Optionen. Die Kulturindustrie ist Herrschaft, die sich als Unterhaltung tarnt.

Das Fazit?
Es gibt keinen einfachen Ausweg. Horkheimer und Adorno sind radikal pessimistisch – aber sie schreiben trotzdem. Das Buch selbst ist der Versuch, durch Kritik ein Bewusstsein zu schaffen, das der totalen Verdinglichung widersteht.

Die Vernunft, die uns befreien sollte, hat uns versklavt:
Nur noch fragt: „Wie?“
Aber nicht mehr: „Wozu?“ und „Warum?“.

Die Aufklärung muss sich selbst aufklären über ihre eigenen blinden Flecken.

Max Horkheimer: Zur Kritik der instrumentellen Vernunft

Horkheimer schrieb dieses Buch 1947 (englisch: „Eclipse of Reason“). Es ist gewissermaßen die Einzelarbeit zu dem, was er mit Adorno gemeinsam in der *Dialektik der Aufklärung* entwickelt hatte.

Es gibt zwei Arten von Vernunft:
Objektive Vernunft (die klassische):
Sie fragt nach dem Guten, dem Wahren, dem Sinnvollen. Sie will verstehen, was das richtige Leben ist, welche Zwecke erstrebenswert sind. Sie urteilt über Ziele selbst.
Subjektive/instrumentelle Vernunft (die moderne):
Sie fragt nur noch: „Wie erreiche ich mein Ziel am effizientesten?“ Sie ist reines Werkzeug, reine Technik. Sie urteilt nicht mehr über Zwecke, sondern optimiert nur noch Mittel.
Was ist das Problem?
Die instrumentelle Vernunft hat gesiegt. Wir fragen nicht mehr: „Ist dieses Ziel überhaupt gut?“ Wir fragen nur: „Wie erreichen wir es möglichst schnell und billig?“
Beispiele:
– Nicht: „Sollen wir endlos wachsen?“ Sondern: „Wie steigern wir die Produktivität?“
– Nicht: „Was ist ein gutes Leben?“ Sondern: „Wie optimiere ich meine Performance?“
– Nicht: „Ist diese Technologie sinnvoll?“ Sondern: „Funktioniert sie?“

Die Folgen:
Alles wird Mittel zum Zweck – auch der Mensch selbst. Selbst die Vernunft wird instrumentalisiert: Sie dient nur noch der Selbsterhaltung, der Effizienz, dem Profit. Werte, Würde, Sinn – all das verschwindet, weil es sich nicht berechnen lässt.
Die Natur wird zur Ressource. Der Mensch wird zur Arbeitskraft. Beziehungen werden zu Netzwerken. Alles wird funktionalisiert.
Tragisches Paradox:
Die Vernunft sollte uns frei machen. Aber indem sie nur noch Instrument wurde, hat sie uns versklavt – an Systeme, die wir nicht mehr hinterfragen, nur noch perfektionieren.

Horkheimers Warnung:
Wenn wir nicht wieder lernen, über Zwecke nachzudenken (nicht nur über Mittel), wenn wir nicht die Frage nach dem „Wozu?“ zurückgewinnen, dann bleibt die Vernunft blind – ein hocheffizientes Werkzeug ohne Orientierung.
Die Vernunft ist von der Frage: „Was ist gut?“
Zur Frage: „Was funktioniert?“ verkommen.
Wir optimieren alles, aber wissen nicht mehr, wofür.

Dialektik der Aufkklärung - Frankfurter Schule - You Tube

Ein gutes Leben. Fern ab von dauerhafter Selbstaufwertung.

Im Web - SozTheo

„Dialektik der Aufklärung“ von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno zählt zu den Schlüsselwerken der Kritischen Theorie und stellt einen Meilenstein der soziologischen Gesellschaftsanalyse im 20. Jahrhundert dar.

Entscheidung für eine Liebe, die höher ist, als alle Vernunft?

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Erich Fromm – Die Kunst des Liebens

Erich

Fromm

Liebe als bewusste Entscheidung

Erich Fromm in New York

Erich Fromm wurde 1900 in Frankfurt am Main geboren, als Sohn orthodox-jüdischer Eltern. Fromm studierte zunächst Talmud, bevor er zur Soziologie, Psychologie und schließlich zur Psychoanalyse fand. 1934 emigrierte er vor den Nazis nach New York, wo seine produktivste Phase begann.

Fromm wurde zunächst Mitglied des International Institute of Social Research (der New Yorker Zweig der Frankfurter Schule), das an der Columbia University angesiedelt war. Hier arbeitete er mit Horkheimer, Adorno und Marcuse zusammen, bevor sich ihre Wege aufgrund theoretischer Differenzen trennten – Fromm bewegte sich zunehmend in Richtung einer humanistischen Psychoanalyse, während die anderen dem orthodoxen Marxismus näher blieben. Parallel zu seiner theoretischen Arbeit führte Fromm in New York eine psychoanalytische Praxis und wurde zu einem der einflussreichsten Psychoanalytiker der Stadt. Er unterrichtete am William Alanson White Institute of Psychiatry, das er mitbegründete, und später am New School for Social Research – beiden Institutionen, die zum intellektuellen Herzstück des liberalen, kritischen Denkens im Nachkriegs-New York wurden.

Fromms Produktivität war außergewöhnlich. Über fünf Jahrzehnte hinweg verfasste er mehr als 30 Bücher und unzählige Aufsätze – und das parallel zu seiner psychoanalytischen Praxis, seiner Lehrtätigkeit und seinem politischen Engagement. Fromm konnte komplexe psychoanalytische und gesellschaftskritische Gedanken so formulieren, dass sie Menschen unmittelbar betrafen. Seine Bücher wurden Millionen Mal verkauft – nicht weil er vereinfachte, sondern weil er die existenziellen Fragen traf, die Menschen wirklich bewegten.

Fromm war einer der wenigen Denker, die drei Welten gleichzeitig bewohnten:

  • Die psychoanalytische (als praktizierender Therapeut und Theoretiker)
  • Die philosophisch-gesellschaftskritische (als Sozialpsychologe in der Tradition von Marx,  – an anderer Stelle werde ich versuchen das Missvertändnis darzulegen, welches Fromm in der Auslegung der Lehren von Karl Marx sah.)
  • Die ethisch-spirituelle (als humanistischer Denker, der nach dem guten Leben fragte)

Fromm starb 1980 in der Schweiz, aber sein Werk bleibt lebendig – weil er die richtigen Fragen gestellt hat. Fragen, die nicht veralten, aktueller sein können, als jemals und täglich sich neu stellen lassen.

"Die Kunst des Liebens", entstanden aus den Erkenntnissen der New York Jahre.

„Die Kunst des Liebens“ ist wohl eines der wichtigsten Bücher welcher Erich Fromm hinerlassen hat. „The Art of Loving (1956) entstand in New York und selbstvertändlich auch aus der Erfahrung jener Zeit. Die schon damals moderne Metropole,, mit ihrer Anonymität, ihrem Konsumdruck, ihrer Entfremdung bildete den empirischen Hintergrund für seine Analyse, wie moderne Menschen die Fähigkeit zu lieben verloren haben. New York in den 1930er-50er Jahren war das Epizentrum dieser Entwicklung: Die Werbeindustrie explodierte (Madison Avenue!) Hollywood schuf die „Personality“ als Ware. Der American Dream: „Du kannst alles werden“ – aber das hieß auch: „Du musst dich verkaufen“ Fromm erlebte täglich: In seiner psychoanalytischen Praxis kamen Menschen, die erfolgreich waren, aber innerlich leer. Die „gut ankamen“, aber innerlich leer waren, im Grunde sich nach Nähe und Zuneigung sehnten, die sie narzissitschen Lebengefühl dieser Metropole nicht finden konnten.

Erich Fromms zentrale These lautet: Liebe ist kein Gefühl, in das man „fällt“, sondern eine Kunst, die erlernt werden muss. In „Die Kunst des Liebens“ schreibt er: „Liebe ist eine Aktivität und kein passiver Affekt. Sie ist etwas, das man in sich selbst entwickelt, nicht etwas, dem man verfällt.“ Liebe benötige vier Elemente:

  • 1. Fürsorge (Care) – Liebe zeigt sich in der aktiven Sorge um das Leben und Wachstum dessen, was wir lieben. Nicht als Pflichterfüllung, sondern als spontaner Ausdruck: Ich will, dass du wächst, dass du wirst, was du sein kannst.
  • 2. Verantwortung (Responsibility) – Nicht als Pflicht von außen, sondern als innere Bereitschaft zu antworten – responsiveness. Ich höre deine Bedürfnisse und antworte darauf. Verantwortung ohne die anderen Elemente wird zur Herrschaft.
  • 3. Achtung (Respect) – Von lateinisch respicere – hinschauen. Die Fähigkeit, den anderen so zu sehen, wie er ist, nicht wie ich ihn brauche oder mir wünsche. Achtung bedeutet: Ich will, dass du dich entwickelst auf deine eigene Weise, nicht nach meinem Bild.
  • 4. Erkenntnis (Knowledge) – Man kann nur achten, was man kennt. Aber Erkenntnis bedeutet hier nicht intellektuelles Wissen über den anderen, sondern den Partner wahrnehmen, wie er/sie ist. Wahrnehmen nicht als Objekt, sondern als ein Wesen, welches immer mehr ist, als jenes was uns erscheint. Und letztlich gerade darin auch ein Stück Spiritualität zu entdecken, welche jenseits von religiösem Dogma, eine notwendige Dimension des Seins in der Welt offenbart und wir deswegen auch lieben können, was wir, manchmal, auch gar nicht verstehen können und müssen.

Zur Ehe meinte Fromm: „Sie sie wird nicht aus Angst, Konvention oder ökonomischer Notwendigkeit eingegangen, sondern aus der bewussten Entscheidung zweier Menschen, die Kunst des Liebens gemeinsam zu praktizieren.Die Hochzeit oder Vow Renewal wird so zum Ritual dieser Entscheidung: Nicht „Wir lieben uns (zufällig)“, sondern „Wir wählen, einander zu lieben – jeden Tag neu.“ Liebe in der Ehe ist die die Verbindung zweier  Menschen, die ihr Eigenes, ihr so sein, bewahren und gerade dadurch einander wirklich begegnen können. Für Paare, die heiraten oder ihre Ehe erneuern, bietet Fromm eine herausfordernde, aber zugleich auch befreiende Perspektive:

  • Befreiend: weil das Buch der Liebe und der zukünfigen Gemeinsamkeit, über die Schmetterlinge im Bauch hinausgehen werden und die eigentlich „Arbeit“ beginnen kann.
  • Herausfordernd: weil es gibt keine Garantie, keine Versicherung. Die Liebe muss täglich neu vollzogen werden. Die Entscheidung zur Ehe, muss sich jeden Tag neu entscheiden.

Liebe und Ehe als bewusste Entscheidung, ob in New York oder anderswo ….

 

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Drei Werke von Erich Fromm

Escape from Feedom / Die Furcht vor der Freiheit (1941)

Fromms erstes große und sehr tiefgründiges Werk stellt die zentrale Frage: Warum fliehen Menschen vor der Freiheit, die sie doch eigentlich ersehnen? Auch wenn dies im alltäglichen Da-Sein vordergründig nicht immer so erscheint, noch durch gesellschaftliche Zwänge überformt ist, trotzdem sehne sich der Mensch aus seinem Inneren, seiner Ursprünlichkeit, nach Freiheit und Selbst-Bestimmung. Fromm analysiert, wie die moderne Gesellschaft und Wissenschaft den Menschen aus traditionellen Bindungen befreit hat, ihn aber gleichzeitig isoliert und ängstlich zurücklässt. Der Mensch ist nicht mehr „Gott-Befohlen“ abhängig, auf einer Scheibe die sich Erde nennt und irgendwo am Horizont endet, sondern frei in einem unendlich großen Kosmos, unfassbar, aber ursprünglich in die Freiheit entlassen. Statt diese Freiheit produktiv zu nutzen, sucht der moderne Mensch Zuflucht in autoritären Strukturen (Faschismus), in zwanghaftem Konformismus oder in destruktiver Aggression.

Das Buch, geschrieben in New York, während in Deutschland der Faschismus einen Weltkrieg entfacht hat, ist eine erschütternde Analyse, warum Menschen sich freiwillig unterwerfen. Und es ist heute, obwohl Vergleichbarkeiten nicht auf allen Ebenen statthaft sind, aktueller denn je: In Zeiten von Populismus, Verschwörungstheorien und dem Bedürfnis nach starken Führerfiguren, die Identität vermitteln, aber auch Institutionen, welche Strukturen schaffen, in denen unbedacht erfüllt werden kann, was die Regeln vorschreiben.  Das Buch ist in Formms Werken deswegen so Zentral, das die Frage nach der Freiheit alle späteren Werke durchzieht.

Liebe ist das Kind der Freiheit und niemals seine Beherrschung. 

 

The Art of Loving / Die Kunst der Liebens (1956)

Fromms populärstes Werk und zugleich sein persönlichstes. Ein kleines Buch mit gewaltiger Wirkung: über 25 Millionen verkaufte Exemplare, übersetzt in Dutzende Sprachen übersetzt. Fromm zeigt, wie die moderne Gesellschaft Menschen unfähig macht zu lieben – weil sie sie lehrt, sich selbst als Ware zu betrachten, weil sie Liebe als Konsumgut missdeutet, weil sie Verschmelzung mit Liebe verwechselt.
Seine Definition von Liebe als Kunst: Als etwas, das Disziplin, Konzentration, Geduld und höchste Sorge erfordert, war 1956 revolutionär und ist es bis heute geblieben. Warum? Es ist Fromms Antwort auf Entfremdung, nicht politisch, nicht gesellschaftlich, sondern existentiell. Unser „Existere“ als eine Existensweise unseres Seins (to be), nicht im Besitzen oder Kontrollieren, nicht im Haben, sondern im Sein. Aktives und bewusstes erleben, von Leben und Liebe, in Freiheit und Verantwortung.

Haben und Sein

Haben oder Sein in der Liebe
Erich Fromm unterscheidet zwei Weisen zu leben: Den Haben-Modus und den Seins-Modus.
Im Haben-Modus behandeln wir auch Menschen wie Besitz. Der Partner wird zum Objekt, das man hat, kontrolliert, festhält. Eifersucht entsteht aus der Angst, etwas zu verlieren. Man sammelt Beweise der Liebe – Aufmerksamkeit, Geschenke, Bestätigung. Die Frage lautet: „Was bekomme ich?“
Im Seins-Modus ist Liebe keine Eigenschaft, die man hat, sondern eine Aktivität, die man ist. Man gibt, ohne zu verarmen. Man lässt den anderen frei, weil echte Nähe nur in Freiheit möglich ist. Die Angst vor Verlust verschwindet, weil man nichts besitzt, das man verlieren könnte. Die Frage lautet: „Wer bin ich in dieser Beziehung?“
Und die Ehe? Sie kann beides sein. Eine Ehe im Haben-Modus wird zur Institution der gegenseitigen Besitzansprüche: „mein Mann“, „meine Frau“ wie „mein Auto“. Eine Ehe im Seins-Modus ist die bewusste Entscheidung, täglich neu zu lieben; nicht weil man muss, sondern weil man ist.
Die Hochzeit markiert den Übergang: vom romantischen „Haben-wollen“ zur reifen Entscheidung des gemeinsamen Seins. Ob bei Heiraten in New York oder wo auch immer. 

Erich Fromm - You Tube - Ein Gespräch

Hoffnung und Liebe zur Welt.

Webseite Erich Fromm

Erich Fromm-Online ist die offizielle Website zu Erich Fromm. Sie informiert über Leben und Werk Erich Fromms und enthält Verzeichnisse, Texte, Audios und Videos von, mit und über Erich Fromm.

„Wenn ich zu einem anderen sagen kann: „Ich liebe dich“, muss ich auch sagen können: „Ich liebe in dir auch alle anderen, ich liebe durch dich die ganze Welt, ich liebe in dir auch mich selbst.“ Buch: Erich Fromm , „Die Kunst des Liebens“

Entscheidung für gemeinsames Sein!

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Hannah Arendt – Vita activa – vom tätigen Leben zur Liebe

Hannah Arendt

Die Kunst des Neuanfangs

Hannah Arendt in New York

Hannah Arendt wurde 1906 in Hannover geboren, studierte Philosophie bei Martin Heidegger und Karl Jaspers. 1933 floh sie vor dem deutschen Nationalsozialismus zunächst nach Paris, wo sie für jüdische Flüchtlingsorganisationen arbeitete. 1941, nach der Besetzung Frankreichs, gelang ihr mit einem der letzten Schiffe die Flucht nach New York – staatenlos, ohne Geld, ohne Sprache, aber mit der Gewissheit ihrer jüdischen Herkunft, die ein wesentlicher Bestandteil für sie war. Hannah Arendt verstarb 1975 in New York.

Fähigkeit zum Neubeginn ...

In New York begann sie neu. Sie erlernte mit geringen Englischkenntnissen die Sprache und perfektionierte ihr Englisch in kurzer Zei. Schon ein Jahr später wurden ihre Texte in amerikanischen Zeitschriften veröffentlich. Danach arbeitete als Lektorin, später lehrte sie an verschiedenen Universitäten, darunter der New School for Social Research. Hier schrieb sie ihre bedeutendsten Werke: „Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft“, „Vita activa“, „Eichmann in Jerusalem“. Sie lebte jahrzehntelang in Manhattan, bis zu ihrem Tod 1975.

Im Zentrum ihres Denkens steht ein Gedanke, der seltsam einfach klingt und doch radikal ist: dass mit jedem Menschen etwas völlig Neues in die Welt kommt. Sie nannte das Natalität – Geburtlichkeit. Nicht nur die biologische Geburt, sondern diese Fähigkeit des Menschen, immer wieder neu anfangen zu können. „Dass jemand geboren wurde“, schrieb sie, „bedeutet, dass etwas ganz Unerwartetes geschehen kann.“

Diese Fähigkeit zum Anfangen zeigt sich für Arendt besonders dort, wo Menschen einander versprechen. Ein Versprechen ist riskant – die Zukunft ist offen, ungewiss, nicht kontrollierbar. Und doch wagen wir es, uns zu binden, uns festzulegen. Das Versprechen schafft einen kleinen Raum der Verlässlichkeit in einer ungewissen Welt. Nicht durch Kontrolle, sondern durch Vertrauen.
„Arendt hat gezeigt, wie gefährlich es wird, wenn Menschen aufhören zu denken und nur noch funktionieren. Wenn sie in Strukturen aufgehen und dabei die Fähigkeit verlieren, den konkreten Menschen vor sich wahrzunehmen. Sie nannte das die ‚Banalität des Bösen‘ – nicht nur Monster begehen das Schlimmste, sondern Menschen, die aufgehört haben, wirklich hinzusehen, wirklich da zu sein, nur noch der Funktion zu dienen und somit zu Instrumenten in einem Apparat, der sich selbst verwaltet.

Liebe ist das genaue Gegenteil:

Sie sieht den anderen in seiner Einzigartigkeit, nicht als Funktion. Sie ist Aufmerksamkeit, Präsenz, Bereitschaft, sich berühren zu lassen.

Eine Hochzeit ist genau das: ein Neuanfang, ein Versprechen trotz aller Ungewissheit. Zwei Menschen sagen Ja zu etwas, das sie nicht vollständig wissen können. Sie vertrauen darauf, dass sie gemeinsam fähig bleiben, immer wieder neu anzufangen – mit all dem, was kommt.

New York war für Hannah Arendt dieser Ort des Neuanfangs. Vielleicht ist eine Heirat in dieser Stadt auch eine Begegnung mit diesem Gedanken: dass Anfangen auch Neu ist. Ob als Neubeginn oder als Neuanfang, egal wie, aber mit allem was kommt.

Welche Bedeutung hat dies für Heiraten in New York.

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Drei Werke von Hannah Arendt

Die Freiheit, frei zu sein

Das Buch beschreibt was ist Freiheit und was bedeutet sie uns? Begreifen wir sie nur als die Abwesenheit von Furcht und von Zwängen, oder meint Freiheit nicht vielmehr auch, sich an gesellschaftlichen Prozessen zu beteiligen, eine eigene politische Stimme zu haben, um von anderen gehört, erkannt und schließlich erinnert zu werden?

Eichmann in Jerusalem: Ein Bericht von der Banalität des Bösen

1961 berichtete Hannah Arendt über den Prozess gegen den NS Beamten Adolf Eichmann ein Organisator der Logistic des Holocaust. Aus der Sicht von Arendt war Eichmann kein ideologischer Hasstäter, sonder ein „dienstbefließener“, karriereorientierte Pflichtmensch, der Befehle, quasi „Blind“ befolgte. Arendt folgerte u.a. aus ihren Beobachtungen:

  • das absolut Böse, kann auch von durchschnittlichen Menschen getan werden, welche devot und abhängig Befehle befolgen.
  • Nicht denken, nicht urteilen, ein Rädchen im Getriebe sein und das Böse wird banal.
  • Kein Missverständnis! Arendt schreibt nicht, dass die Schrecklichkeit, das Unvergleichliche und die unmenschliche Tat banal wäre, sondern die Gedankenlosigkeit und systemische Abhängigkeit des Täters.
  • Somit: Beschreibt die „Banalität des Bösen“ wie radikal böse Taten von ganz gewöhnlichen, gedankenlosen Menschen in einem bürokratischen System begangen werden können, wenn sie ihre moralische Urteilsfähigkeit ausschalten und als devote Untertanen Befehle befolgen.

Vita activa oder Vom tätigen Leben

Das Buch ist auch eine Warnung vor der Entpolitisierung des Menschen. Es ruft auf zur Fähigkeit, durch Wort und Tat Neues zu beginnen. Zu verstehen, was Arendt mit „Vom tätigen Leben“ meint, ist eine Herausforderung. Es fordert uns auf darüber nachzudenken, was wir tun, wenn wir tätig sind und ob wir nicht mit Handeln unsere Welt herstellen sollen, abseits von reinem Konsum und technokratischer Verwaltung.

Handeln ist der Beginn von Neuem, von Beziehungen und die Erzählung von Geschichten, welche verbinden. Dabei ereignet sich ein Raum, eine Lücke, wie wir unsere Freiheit erfahren können, selbst dann wenn wir wissen, wie unfrei wir auch sein können. Freiheit beginnt dort, wo nicht alles sicher ist, wenn wir handeln, auch dann, wenn das Ergebnis noch offen ist und die Möglichkeit des Scheiterns ein Teil unseres Da-Seins beinhaltet. 

Hannah Arendt Movie Trailer. A film by Margarethe von Trotta.

Webseite Hannah Arendt

Der Sinn von Polititk ist Freiheit. Verstehen heist immer verstehen was auf dem Spiel steht.

Versprechen für einen Neuanfang?

Ein Neubeginn an einem besonderen Ort.

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